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Vormann Brauerei:

Die Vormann Chronik

1850


Eduard Vormann,
geb 12.7.1850

Am 12. Juli 1850 wurde dem Schuldirektor Gottlieb Vormann und seiner Ehefrau Louise, geb. Helkenberg das jüngste Kind geboren, dem sie den Namen Eduard gaben. Als am 8. Mai 1856 Gottlieb Vormann starb, stand Louise Vormann mit 4 Kindern alleine da und Eduard, ihr Jüngster, war noch keine 6 Jahre alt.

Eine mögliche dritte Lehrergeneration der Vormanns war aus finanziellen Gründen somit der Weg verbaut.

In einer broschierten astrologischen Abhandlung kann man lesen: „wer im letzten Dritte des Krebses geboren sei, der könne beruflichen Erfolg haben als Seemann oder in Berufen, die mit Wasser zu tun hätte.“

Heute kann niemand mehr die Frage nach der Berufswahl des damaligen Schulabgängers beantworten. Wir wissen aber, dass die Brauerei Ostermann in Schwerte einen wissbegierigen und fleißigen Jungen in den Betrieb bekommen hatte, der ganz bestimmt aus Neigung diesen Beruf gewählt hatte. Als sein Lehrbetrieb in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg zu brauen aufhörte, da kam, wohl auch als kleines Dankeschön nach mehr als 60 Jahren Hopfen aus den Beständen in Dahl an. Seine Tochter Adele erzählte von der dankbaren Freude ihres Vaters zu diesem Überraschungsgeschenk.

Nach der Lehrzeit war er fünf Jahre als Freiwilliger bei den Garde-Ulanen in Potsdam und direkt danach 1875 auf Wanderschaft, die ihn den Rhein aufwärts über den Gotthard, das Tessin, in die Po-Ebene, dann nach Laibach und Budapest führte.

Zum 1. Oktober 1877 pachtete Eduard Vormann die Friedrich Funkesche Brauerei mit Gaststätte für 5 Jahre. Eduard Vormann kam von der Löwenbrauerei von Peter Overbeck in Dortmund nach Dahl. So geriet damals ein Untergäriger Brauer in einen Obergärigen Betrieb, dessen Bierkeller keine Eiskühlung hatte. Die fehlende Lagerkellerkühlung führte dann 1879 zum Bau eines Lagerkellers mit Natureiskühlung, der heute, Keller unter dem Hause Hoffnungstalerstr. 1-3, noch gut erkennbar ist.

Vor Beendigung des Pachtvertrages 1882 baute dann Eduard Vormann das Sudhaus als Anbau an die heutige Dahlerstr. 61. Vom Biergarten aus ist dieser Anbau gut erkennbar. Der Funckesche Bierkeller ist der Dahler Bevölkerung nicht unbekannt, denn er wurde während des 2. Weltkrieges von der Organisation Todt, die bekanntlich auf dem alten Sportplatz eine Zentrale hatte, zum Luftschutzbunker vergrößert.

Im Mai 1878 heiratete Eduard Vormann Anna Millhoff. Sie lebte im Elternhause, der Dahlerstr. 61., wo sich noch heute unser Brauereiausschank befindet. Dieses Anwesen erwarb ihr Großvater Peter Caspar Millhoff in den Jahren um 1845. Er riss den alten Fachwerkbau ab und baute das heutige Haus neu.

P.C. Millhoff stammte aus Hagen, dem Haarmannshof auf Emst und trug dadurch den Doppelnamen „Millhoff, genannt Haarmann“. Er kam als Bau-Unternehmer nach Dahl und baute die steinerne Bogenbrücke über die Volme. Leider sind die Unterlagen dazu bei der Bodenentrümpelung zu Beginn des Krieges um 1940 verloren gegangen.

1888 konnte Eduard Vormann das Brauerei-Grundstück erwerben, auf dem 1890 der Gär- und Lagerkeller mit darüber liegendem Eiskeller und darüber das Haus Eiskeller 9 errichtet wurde. Nacheinander entstanden ab 1896/97 hier das Sudhaus, dahinter das Maschinenhaus mit Dampfmaschine, Kühlmaschine und der Solebehälter zur Stangeneisherstellung. Vom Hof aus gesehen rechts neben dem Sudhaus schloss im Dachgeschoß das Kühlschiff, im Erdgeschoß die Schwankhalle mit der Fassfüllung daran an. Links vom Sudhaus war der Kohlenvorrat für den Dampfkessel untergebracht. Dessen leichtes Fachwerkgebäude bildet heute noch den östlichen Abschluss der Brauerei. Hier ist heute der Solekasten für die Würzekühlung und dahinter der Ölbunker.

Zum Gebäude im rechten Winkel entstanden um 1900 der zweite Gärkeller und daran anschließend die Remise und der Pferdestall. Noch vor dem ersten Kriege wurden die beiden Gebäude, Sudhaus und Lagerkeller, durch den "3." Gärkeller und der Erweiterung der Schwankhalle zu der heutigen Einheit geschlossen. Der Malzboden, höchster Teil der Brauerei, entstand 1952, der "4." Gärkeller 1954. Bild4.jpg Malzboden der Vormann Brauerei Das 125 jährige Bestehen dieser Brauerei ist ohne Fleiß und Redlichkeit aller Beteiligten nicht zu denken. Über dem alten Stehpult von Eduard Vormann hängt ein Spruch seines Großvaters Peter Nikolaus Vormann aus dem Jahre 1825.

Die erste Zeile lautet: "Gesundheit ist mein erster Wunsch" und die letzte Zeile heißt: "Du bist ein Mensch, das wiß und denke stäts daran!"

1900


Ernst, Adolf, Edi Vormann, ca 1919

Mit dem 1. Weltkriege nahm die Entwicklung der Brauerei ein jähes Ende. Die beiden ältesten Söhne vom Großvater wurden gleich 1914 eingezogen. Adolf, der Älteste hatte als Einjährig-Freiwilliger bei der Artillerie in Düsseldorf um 1900 gedient und rückte als Leutnant ein. Mit seinem Wirken ist die äußere Gestalt der Gebäude eng verbunden. Dabei hat ohne Zweifel die Brauerei Cramer in Eilpe eine gewisse Vorbildfunktion gehabt. Heute noch kann man an jenem Gebäude hinter der Baustoffhandlung Kruse leichte Ähnlichkeiten erkennen. Ganz sicher half Adolf schon tatkräftig seinem Vater mit noch nicht 10 Jahren, was man heute nicht mehr zu Papier bringen kann ohne das Wort Kinderarbeit zu denken. Zeitlebens dachte er an den Unfall am Bierkeller der Hoffnungsútalerstraße. Hier entglitt ihm die Winde, mit der die vollen Fässer aus dem Keller geholt wurden und brachten ihm einen Nasenbeinbruch ein. Auch sagte er bei Besuchen häufiger, dass er immer geglaubt habe, dass ihm das Einatmen von SO2 der Kühlmaschine 10 Jahre seines Lebens gekostet habe. Das bemerkte er auch noch mit 90 Jahren. Dem Bericht seines Bruders Eduard zufolge beendete er 1911 die Mitwirkung an der Brauerei. Er ist uns immer ein willkommener Besucher gewesen.


Eduard Vormann,
ca. 1920

1909 ist Eduard Vormanns 2. Sohn, Eduard, genannt Edi, in den Betrieb eingetreten und übernahm die Betreuung der Kundschaft. Edi sprach zuweilen aus jener Zeit, als er 1911 zur Erlernung des Autofahrens nach Düsseldorf bei der Firma DAG die Endmontage des LKW mitmachte, den er dann nach Dahl mitbrachte. Stolz war er auf den Führerschein aus dem Jahre 1911 und der Tatsache, dass er dem Ingenieur vom Dampfkesselüberwachungsverein, dem Vorläufer des TÜV, die Handhabe des Autos zeigen konnte. Von den Wettfahrten mit der Eisenbahn bis Meinerzhagen und der staubigen Landstraße steht mir ebenso in Erinnerung wie die dreimalige Liefertour am Tage des großen Brandes von Meinerzhagen 1911. Auch diese Kundschaftsverbindung brach mit dem 1. August 1914 zusammen, denn mein Onkel wurde zusammen mit dem Lastauto eingezogen. Bei der Kraftfahrkolonne kam er 1915 bis Kurland und Litauen. Nach dem unerwarteten Tod seiner Mutter am 27. Juli 1915 meldete er sich zur Infanterie. Im Oktober 1917 wurde er im Nahkampf bei Paschendael/Ypern schwer verwundet und ist nie mehr eingezogen worden. Sein Verdienst ist es, dass die Brauerei im 2. Weltkriege nicht verwaiste. Die schwere Zeit des 2. Weltkrieges begann gleich mit dem Tod unseres Kutschers Fritz Zahn im September 39, der bei der Bewachung der Eisenbahn-Volmebrücke unterhalb des Hengstenbergtunnels verunglückte.

Aber auch der jüngste Sohn Ernst, mein Vater, ging von der Schule aus in die Brauerei, was 1913 oder 1914 gewesen sein muss. Diese Tätigkeit wurde auch durch den Krieg unterbrochen. Durch den Tod der Mutter am 27.7.1915 erlebte diese nicht mehr die Freiwilligenmeldung ihres Jüngsten zur Artillerie nach Metz im Herbst 1915.

Wie abgeschnitten war das Geschäft ab Kriegsbeginn, so dass die Biervorräte bis ins Frühjahr 1915 reichten und erst dann wieder gebraut wurde. Auch erzählte mein Vater, dass er in Urlaubstagen Biersieder war, damit der Vater von dieser Arbeit entlastet war. Wie und wer damals die Kundschaft bediente, das weiß niemand mehr. Aber Eduards Töchter, die Zweitälteste und Jüngste, meine Tanten Adele und Emmy, sind dem Vater zeitlebens und weit darüber hinaus bis zu ihrem Tode treu geblieben. Sie haben nicht geheiratet und lebten mit ihrem Bruder Eduard "auf der Brauerei" bis dieser 1942 heiratete. Ohne jeden Zweifel war Tante Adele nicht nur in ihren Kindertagen für ihre drei jüngsten Geschwister Mutters Stellvertreterin. Sie hat auch, solange sie auf dem Brauereihof, der Dahler Straße 57 und der Braugasse 3, lebte, dem Vater "Pool gehalten." Wie sehr sie Mutters Stellvertreterin gewesen sein muss, das ist allein daraus denkbar, dass die Mutter Familie und die Wirtschaft zu versorgen hatte, beides Aufgaben, die jede für sich alleine den Tag schon ausgefüllt haben.


Ausgekellerte Lagerfässer.
Stehend Ed. Vormann II. Herbst 1924

Diese unermüdliche Arbeit dokumentiert ihr dünn gearbeiteter Ehering, den ich von Adele mit dem des Großvaters bekommen habe. Mein Vater, Ernst, hatte sechs Geschwister: Adolf, der Älteste, heiratete Else Henschel, geb. Köhler und ging 1911 mit nach Chemnitz. Er führte bis zum Zusammenbruch 1945 die Möbelfirma Julius Köhler, -Nachf., Innere Klosterstraße. Paula, die Älteste, heiratete Ludwig von Holtzbrinck, der von Haus Rahde stammte. Adele, die Zweite. Sie blieb unverheiratet wie oben schon erwähnt. Alma, die Dritte. Sie heiratete Hermann Wolff, Metzgermeister, Eckeseyerstr. 145. Emilie, die Vierte. Sie blieb zeitlebens mit Adele zusammen. Eduard, (Edi) der Zweite. Er war zusammen mit Ernst, dem Dritten zusammen in der Brauerei geblieben. Die Kinder Eduard und Anna starben mit vier und zwei Jahren 1890. Mit ihrem Tod legte Großvater Vormann die Grabstätte auf dem Dahler Friedhof an. Es waren jeweils Zweiergespanne, Adele und Emmy sowie Eduard und Ernst. Und hier bildete sich eine Reihenfolge dem Alter entsprechend. Wie sagte es so bedeutungsvoll Fritz Zahn, unser Kutscher: Onkel Edi ist der Chef vom Ganzen und mein Vater ist der Chef vom Halben.

So lange ich mich besinnen kann, arbeitete man im Betriebe im Wochenrhythmus
Montag: Filtrieren und Fässer füllen
Dienstag: Liefertour nach Hagen und Flaschen füllen
Mittwoch: Sudhausarbeit
Donnerstag: Liefertour nach Lüdenscheid
Freitag: Liefertour nach Iserlohn.
Samstag: Liefertour in Dahl, Priorei bis Schalksmühle. Edi fuhr montags immer mit piksauberem PKW in die Kundschaft und machte freitags die Liefertour nach Iserlohn.

1938

Ab 1938 hat Edi im neu erbauten Sudhaus mittwochs gebraut. Nach dem verlorenen Krieg wurde Anfang 1946 ein allgemeines Brauverbot erlassen, um das Getreide ausschließlich für die Grundnahrungsmittelversorgung der Menschen zur Verfügung zu stellen. 1948, während meiner Abwesenheit, es muss im April oder Mai gewesen sein, wurde der erste Sud Bier nach dem Kriege gebraut. Im April hatte ich die Lehre hier zu Hause als Brauer und Mälzer angetreten. Nun aber zurück nach 1918. Aus dem Kriege kamen alle Söhne zurück. Adolf ging nach Chemnitz, Edi und Ernst kamen nach Hause. Zu Hause waren nun Großvater Eduard, seine Töchter Adele und Emmy und die Söhne Edi und Ernst. Man wohnte noch in der heutigen Dahler Str. 61, wollte aber nicht die Wirtschaft weiter führen. So kam 1919 der Umzug in die heutige Dahler Str. 57. In die Wirtschaft jedoch ging die älteste Tochter Paula von Holtzbrinck mit Mann und ihren Kindern Kurt und Lotte, dem Zwillingspärchen, das 1910 geboren wurde. Im Familienrat war diese Regelung so getroffen worden. Bis 1932 sind von Holtzbrincks in der Wirtschaft geblieben, wurden abgelöst von Familie Rittinghaus. Das erste Sudwerk war ein 10 Zentner Sudwerk. Es wurde 1938 von einem 20 Zentner Sudwerk der Firma Stavenhagen aus Halle an der Saale ersetzt, und verrichtet seinen unermüdlichen Dienst bis heute.


Zwei-Gerätesudwerk mit Läutergrant
und Braupfanne, 1938

Das 20-Ztr.-Sudwerk muss schon lange zuvor geplant gewesen sein, denn die Neuanschaffung des kupfernen Kühlschiffes 1933 hat ja die Größe für die heutige Gerätschaften gehabt. Ja, man kann diesbezüglich noch weiter in die Anschaffungsplanung zurück gehen, denn die Gärbottiche 1-4-5 sind für 20-Ztr-Sude ausgelegt. Aber auch die Lagertanks No 10 bis 16 sind nur etwas größer als die Gärbottiche. Beide Kellereinrichtungen stammen aus der gleichen Zeit (1924/25) und wurden von Thyssen in Grevenbroich gebaut. Wenn man schon so weit in die Vergangenheit zurück geht, dann gehört auch die Anschaffung des Dieselmotors 1922 oder 1923 dazu. Ernst Vormann kaufte den 25-PS-Motor bei Deutz in Köln. Von 1897 bis 1952 blieben Malzboden und Schroterei unberührt. 1938 war ein sehr kritisches Jahr, weil notwendige Investitionen nicht aufgeschoben werden konnten: Mit dem neuen Sudhaus wurde von Dampfkochung auf Feuerkochung umgestellt. Damit einher wurden Dampfkessel, Dampfmaschine und eigene Stromerzeugung (110 Volt) aufgegeben. Diese Finanzierung war geplant. Dann aber platzte unsere Haus-Dahler Wohnungskündigung durch Frau Gerstein zum 31.12. ins Haus. Wir mussten deshalb die Remiese mit Pferdestall, die in der Braugasse 3 untergebracht war, in ein Wohnhaus umbauen, und es kam die Nachricht, dass die Familie Bockmeyer in Hagen die Altenhagenerstraße 15 verkaufen wird. Diese Eisenbahnergaststätte jedoch war die beste Absatzstätte der Brauerei. So waren in jenem Jahr das Sudhaus, die Braugasse 3 und die Altenhagenerstr 15 zu finanzieren. Bei der Suche nach Pächtern für die Altenhagenerstr. 15 verunglückte Ernst Vormann auf der Kreuzung hinter Herdecke. Ende 1938 war eben nicht genau zu erkennen, wie nah wir vor dem Kriege waren. Obwohl 1933 Kupfer fürs Kühlschiff noch da war und eben 1938 nicht mehr zu bekommen war, leben wir doch alle, zu jeder Zeit, damals, gestern, heute, morgen, in einer Zuversicht, die durch noch so große Geschichtslehren nicht erschüttert werden kann. Die Rückblende in die 20er Jahre hat aber noch eine weitere bedeutende Facette. Die langfristige Planung auf ein 20-Ztr.-Sudwerk und die zuvor geschaffenen Voraussetzungen aus jener Zeit geben den Rückschluss, dass in der Zeit nach dem 1. Kriege der Betrieb einen guten Aufschwung gehabt haben muss. Auch in der Erzählung aus der Hagener Kundschaft meines Vaters muss dort ein guter Absatz gewesen sein. Beispielsweise sprach er öfters von einer Dahler Werbung an einer Hausúfassade nördlich der Springe, die unübersehlich gewesen sein musste. Auch „Tonhalle“, „Ernenputsch“ sind Namen, die mein Vater nannte; ich selber kenne noch Nienhaus an der Marktbrücke, Bockmeyer in der Altenhagenerstraße, Hilker in der Jägerstraße und dann Herdecke, Hauptstraße 38., die Gaststätte von Alma Bierwirt.

Doch auch nach dem 2. Krieg war in Iserlohn und Lüdenscheid die Hauptkundschaft. Mit dem 2. Kriege kam natürlich ein neuer Einbruch, der zunächst durch Onkel Edis „Kriegsuntauglichkeit“ nicht direkt Schaden brachte. Dass an einen Ausbau der Geschäftsverbindungen nicht zu denken war, ergab sich allein durch den Mangel an Arbeitskräften, aber auch an bürokratischen Hürden. Gleich in den ersten Kriegstagen wurde unser „Hansa Lloyd“, gerade 2 Jahre alt, eingezogen. Er ging zur Glörúmühle. Erst Ende 39 konnten wir den 2,5-Tonner NAG, Baujahr 1930, aus Ennepetal erwerben. Meine Mutter fuhr damals bei Kälte mit Herrn Siepermann nach Schwelm, um Papiere und „Roten Winkel“ für das Auto zu bekommen. Dabei gab es noch einen Unfall. Überhaupt war dieser Wagen mit nur einer angetriebenen Achse schon bei leichtestem Schnee eine Katastrophe. Seine Fußbremse konnte nie in Ordnung gebracht werden. Und so lernte ich autofahren 47/48. Vielleicht war aus diesen Gründen dieses Fahrzeug kriegsuntauglich. Es wurde während des Krieges noch von der Dahler Feuerwehr mit meinem Onkel Edi zusammen requiriert. Unbedingt darf hier nicht vergessen werden, dass Edi 1943 die Eiserzeugung in der Brauerei verlegt und erúneuerte. Der alte Eiskasten stand an der Stelle, wo heute die Flaschenreinigungsmaschine steht; und wo heute der Eiskasten für die Würzekühlung ist, da stand der nicht mehr im Betrieb seiende Dampfkessel. Dieser wurde 1939 rausgeschmissen. Lange Zeit lag er an der Fahnenstange. Die neue Stangeneiserzeugung hatte im Kasten 100 Zellen zu 25 Kg immer in 10er Paketen. Sie wurden mit dem Kran, der auf der Laufkatze zwischen Auftaugefäß, Frischwasserkasten und Solekasten pendelte, bewegt. Fantastisch gegen den alten Kasten, wo jede einzelne Zelle gezogen werden musste. Dabei wurde der 60000er NH3-Kompressor aus dem alten Maschinenhaus, etwa wo heute Etikettiermaschine und Kastenreiniger, verlegt an die Stelle, wo heute der Dampferzeuger ist. In diesem Zusammenhang ist mir gar nicht erinnerlich, wann der Dieselmotor durch den 25-PS Elektromotor ersetzt wurde, vielleicht 1941. Er trieb aber im alten Maschinenhaus über die Transmission noch den Kältekompressor und zog mit diesem um. Die Verlegung der Kühlung machte ein Rheinkältemonteur namens Kötter.

Die Sudhausarbeit lernte ich bei Onkel Edi, denn mein Vater war ins neue Sudhaus nicht mehr gekommen. Edi war als guter Handwerker auch ein guter Lehrherr, der durch Vormachen vorbildlich anleitete. Wenn es um Baumaßnahmen ging, fragte er auch mich . Im Sudhaus zog es aus den alten vier Fenstern, deren Sorte heute eine Etage höher noch da sind. Eines Morgens meint er, dass diese Fenster ersetzt werden müssten. Darauf sagte ich, dass dann doch aus vier Fenstern zwei durchgehende werden sollten und darauf antwortete er spontan, dann machen wir ein großes Fenster daraus. Und so wurde es dann im folgenden Herbst gemacht. Die fertigen Fenster holten wir selber in Schwerte ab. Die Schroterei sollte mit einer neuen Schrotmühle auf Vordermann gebracht werden. Die alte Zweiwalzenmühle hing unter der (Holz-) Decke des heutigen Schrotrumpfraumes, aber die neue konnte dort nicht mehr passen. So entstand der heutige Zustand. Der Vollständigkeit halber gehört in die direkte Investition nach der Währungsreform die Anschaffung des LKW (Opel-Nachbau von Mercedes 3,5,to) im September 1948 und im Mai 1950 holte Onkel Edi mit Ellen und mir in Sindelfingen den „V 170“ ab. Sofort mit der Anschaffung des LKW besuchte Onkel Edi seine Kundschaft in Iserlohn wieder und mein Vater mit Walter Friedrichs Hilfe die Kundschaft in Lüdenscheid, die er ja durch den Krieg verloren hatte.


Lagerkeller mit 48- und 67 hl Tanks

In diese Zeit fällt aber auch die Belegung des Lagerkellers mit den Alu-Tanks der Firma A. Ellinghaus in Beckum. Sie lieferte 1949 die 6 Tanks à 43 hl und 1950 die 8 Tanks à 48 hl. Im Frühjahr 1949 war es auch gewesen, als Onkel Edi in der Brauwelt ein Inserat der Brauerschule Ulm (jetzige Ulmer Meisterschule) gelesen hatte. Hier wurde den Lehrlingen Blockúunterricht für das Lehrjahr geschlossen in 7 Wochen angeboten. Ich hatte hier in Dahl und Hagen keinen berufsbezogenen Berufsschulunterricht besuchen können. Onkel Edi war es, der aber für dieses Angebot warb, und so befand ich mich dann im Mai 1949 in Ulm in der „Basteistraße“ als Berufsschüler. Die Ulmer Schulzeit war in meinem Leben die schönste Schulzeit überhaupt. Der Unterricht konnte dem Schüler mit mittlerer Reife nicht schwer fallen. Der gewünschte Beruf bekam hier, sehr gut und methodisch von Karl Sannwald dargebracht, für den Schüler das richtige theoretische Fundamentwissen vermittelt. Der Unterricht wurde von guten Lehrern straff geführt.

1950

Im Frühjahr 1950 verließ ich Ulm als frisch gebackener Brauer- und Mälzergeselle. Im Herbst 1953 bis Ostern 1954 besuchte ich die Doemenschule, im immer noch von Kriegsschäden gezeichneten München, zur Erlangung des Meisterbriefes, der am 29. März 1955 feierlich übergeben wurde. Hier zu Hause überraschte mich Onkel Edi, der, wie er selber sagte, die Brauerei als seine Braut bezeichnete, vor Weihnachten 1949 mit der Erweiterung der Schwankhalle zum heutigen Zustand. wei Zwischenwände waren durch Unterzüge entfernt worden. Hinter dem hinteren war zuvor der Flaschenbierkeller untergebracht, zwischen den beiden links an der Wand Bierflaschenleergut, dann die Spülerei, am heutigen Ausleuchtplatz der Flaschenfüller.


Flaschenfüll-, Verschließ- u. Etikettiermaschine,
Leistung 4.500 Flaschen pro Stund

Vor dem vorderen Unterzug war das Fassleergut, am Durchgang zum Sudhaus die Filterwaschmaschine für die zwei Massefilter von Vulkan in Berlin, die vom Fenster ab im heutigen Haupteingangsbereich standen. Dahinter stand der Isobarometer mit zwei Organen. Direkt daneben ist heute die hintere Treppe. Der vordere Aufgang zum Fasskeller besteht erst seit 1984. Ja, 1952/53 war Haus Dahl an die Spadaka gekommen, wir konnten deshalb die Gasse verlegen. Zu dieser Zeit wurde das Leitungswassernetz der Wassergesellschaft des Dorfes Dahl mbH an die AFU verkauft. Unter diesen Verhältnissen bauten wir den Gärkeller, bekamen die zwei Bottiche vom Schwelmer Eisenwerk. Der Erdaushub wurde zum Damm der heutigen Gasse. Edi starb am 7.2.1956. Bis zu seinem Tode galt sein Schaffen immer der Pflege und Instandhaltung der Brauerei. Es war im Herbst zuvor die Brauerei verputzt worden und einen Herbst davor der Trakt der Braugasse 3.

1960


Daimler Benz Typ L311, Baujahr Oktober 1960

Von dieser Zeit an wurden die Absatzstätten in Lüdenscheid und Altena erworben. 1960 erwarben wir den LKW DB L311, der bis heute im Besitz der Brauerei ist. 1964 schafften wir durch Willi Marohns Impuls das erste Partyfaß, die Nr. 11 an, das damals Drexler in München noch als Pichfaß lieferte, später von Diener & Roth ausgekleidet wurde. Diese Direktvermarktung war ein wichtiger Schritt zur Kundenbindung. Um 1975 kam dann das Altbier aus dem Rheinland hier in die Kundschaft. Ich machte mich mit Gerd Freitag nach Luxemburg und ins Rheinland auf gezielte Suche und fand Brau-Anleitung. 1977 entwarf ich unser Altbier-Etikett und wir brauten das erste Alt, das sogleich in der Kundschaft seine Anerkennung fand, und sich als Hauptbiersorte der Vormann Brauerei entwickelt hat. Hans Klod, Adam Hübner und ich waren danach an der Rudspritzmaschine und dem Flaschenfüller. Ab 1955 wurde maschinell etikettiert, vorher von Hand.Rainer Gödde initiierte alle Maschinen gleich zu bedienen, denn zuvor wurden gespülte Flaschen zuerst schräg gestellt, dann erst abgefüllt.

Ebenso wurde mit Limo-Flaschen immer getrennt verfahren. Noch kurze Zeit nach dem Kriege wurden Limonaden per Handaufzug in die erste Etage geschafft und in der jetzigen Hopfenkammer gefüllt. Der Gärkeller wurde 53/54 gebaut, die Decke am Heiligen Abend gegossen, das Dach Sylvester von Jochheim gedeckt und am Abend fing´s an zu schneien. Damit wurde der ehemalige Gärkeller zum Fasskeller und Edi hatte die ersehnte Rampe. Zuvor wurden Fässer auf den Wagen gerollt, Fasskeller war der heutige Flaschenkeller. Die Leiter zum Fässertransport auf den LKW stand zwischen den Türen, wurde vor dem Kriege oft als Sitz etwas vorgekippt. Sie hängt heute unter dem Kühlschiffdach der Brauerei-Rückseite. Den großen Investitionen in den 50er und 60er Jahren in der Brauerei und vor allem in die Kundschaftsimmobilien folgten in den Siebziger Jahren Konsolidierungsmaßnahmen zur Sicherung der Brauerei. Die Siebziger waren geprägt von Ölkrise und wirtschaftlichem Umbruch, bei denen viele kleine Betriebe auf der Strecke blieben und schließen mussten. Die meisten kleinen und mittleren Brauereien hielten dem Druck der großen Dortmunder und anderer Ruhrgebietsbrauereien nicht Stand und gaben teils aus wirtschaftlichen, teils aus familiären Gründen auf.

1970

Die Vormann Brauerei konnte sich durch die Produktion von Spezialitäten und dem Angebot hochwertiger Biere nicht nur halten, sondern auch einen in Konsumenten- und Brauerkreisen guten Namen machen. So dass man 1977 das 100jährige Bestehen mit Gästen aus der heimischen Politik und Wirtschaft auf dem Hof vor der frisch gestrichenen Brauerei feiern konnte. Dieses ist den jetzigen Senioren Eduard Deltev und seiner Frau Zita zu verdanken, die durch unermüdlichen Einsatz und mit Begeisterung den Betrieb aufrecht hielten und halten. Eduard Detlev Vormann und Zita Vormann heirateten am 25.04.1959. Seit dieser Zeit arbeiten die beiden unermüdlich an dem Erfolg des Familienbetriebes. Eduard Detlev und Zita haben ihre eigene Familie geschaffen. Am 27.12.1959 wurde ihr erster Sohn Eduard geboren. Drei Jahre später ihr zweiter Sohn Christian am 18.08.1962. Hier muss man erwähnen, dass Christian in die Fußstapfen seiner Vorfahren getreten ist und heute die Brauerei weiter führt. Weitere drei Jahre später ist den Eheleuten Vormann das dritte Kind geboren, am 24.06.1965 ihre Tochter Dörte. Die Familie und den Betrieb mit aller Aufopferung und Liebe zu führen ist unseren Eltern sehr gut gelungen. Sie haben den Betrieb erhalten und erweitert. Was mit materiellen Werten nicht zu beschreiben ist, ist ihre Liebe zu der Brauerei, die man noch heute bei Brauereiführungen, die Herr Vormann sen. regelmäßig anbietet, spürt.

1980


Das heutige Wirtshaus zum Brauereiausschank
wurde von August Millhaoff, dem Schwieger-
vater des Firmengründers ca.1840 erbaut.

In den achtziger Jahren überwog das Engagement in den Kerngastronomieobjekten, welches mit dem Umbau unseres Brauereiausschankes in der Dahler Str, 61 endete, der sich jetzt wieder als Schmuckstück und gemütliche Gaststätte präsentiert. Aber auch in Lüdenscheid, Altena und Herdecke sowie in Priorei wurden Umbauten vorangetrieben, die Früchte trugen, was sich in stetem Anstieg des Ausstoßes widerspiegelte. 1988 wurde ein neuer LKW Typ DB 814 angeschafft. Ende der 70er Jahre begann der Junior Christian Vormann seine Lehrzeit als Brauer und Mälzer, die 1982 abgeschlossen wurde. So führt er die Tradition seiner Vorfahren weiter. Es folgten einige Jahre der Wanderschaft, 1984 in der Versuchsanstallt für Bierbrauerei, 1985 in der Klosterbrauerei Raitenhaslach Burghausen, 1986 bei Pinkus Müller in Münster und in der Pott-Feldmann Brauerei in Oelde. 1987 in der Zötler Brauerei Rettenberg und das Ende dieser Wanderschaft wurde 1989 mit der Ablegung des Meistertitels in München gekrönt. Somit ist seit 1989 die vierte Generation unserer Familie Brauer in Dahl. Wir hoffen, das auch die nachfolgenden Generationen die Liebe zu unserem Familienbetrieb erhalten und diese weitergeben.

1990


Drucktankkeller mit ca. 160 hl.
Fassungsvermögen

In den neunziger Jahren wurde auf vielfältige Weise in die Technik des Betriebes investiert. 1989 Einbau des Kombiúbierfilters und Aufbau eines Drucktankkellers, Errichtung einer Fassreinigungszelle und Anschaffung des Kessellosen Fassfüllers von Esau und Hueber. Unseren Mitarbeitern wurde ein Schalander gebaut, in dem Frühstück und Mittagessen eingenommen wird. Schrittweise Erneuerung der Kühlanlagen auf umweltverträglichere Kühlmittel und andere Umwelt- und Energie schonende Maßnahmen ergänzten die Brauerei. Die Anschaffung der beiden Ausschankwagen zeigen uns heute in der Lage auch große Festveranstaltungen bedienen zu können. Große Veränderungen brachte dann Mitte der neunziger die Umstellung auf Individualkästen und die Errichtung einer neuen Flaschenfüllstraße, die einher ging mit dem Kauf eines Gabelstaplers. Zum 70. Geburtstag baute Eduard Vormann den LKW Daimler Benz Typ L311 komplett neu auf, so dass wir mit diesem Fahrzeug ein Schmuckstück auf die Straße bringen. Zum Ende des Jahrtausends ist die Anschaffung des Kegfüllautomaten und die Umstellung von Aluminiumbauchfässern zu Edelstahlkegs die nächste Investition in die Zukunft. Als neueste Herausforderung stand die Errichtung des Kerzenspaltfilters an, der in seiner Konzeption so modern ist, dass sogar Besuch der größten japanischen Brauerei anstand. Die nahe Zukunft bringt uns noch die Erneuerung des Gärkellers und des Sudhauses. Es ist ein steter Wechsel der Investitionen in den Herstellungs- und Verwaltungsprozess, sowie in den Markt und in die Absatzstätten. Selbstverständlich ist die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter einer der Hauptstützen, die ein Betrieb unserer Größe hat.

2000

Mit unserem Braumeister Dirk Seeger unserem Brauer Udo Scheeren, sowie dem Fahrer und Mann auf dem LKW Jörg Witte, der guten Seele in unserem Büro Frau Sigrid Kamann, und seit diesem Jahr dem Maler und Anstreicher Andreas Pinske haben wir eine Mannschaft, auf die man die Zukunft aufbauen kann und die der Familie mit Engagement und Freude beiseite steht. Der Anschluss an einer betrieblich gestützten Rentenkasse ist uns deshalb in diesem Jahr eine gern gemachte Pflicht. Unseren Betriebsrentnern Frau Wegner, Herrn Klod und Herrn Baumeister gebührt besondere Erwähnung, da sie in den vergangenen Jahren ebenso für unsere Brauerei gearbeitet haben wie es unsere heutigen Mitarbeiter machen.

Gott gebe Glück und Segen drein
Eduard D. und Zita Vormann
Christian und Anne Vormann
mit Pauline und Christian